Mittwoch, 27. November 2013

Filmdiskussion "Caminantes" am 4. Dezember 2013

Die Hochschulgruppe „Aires del Sur – Reflexionar sin Fronteras“ lädt Studierende aller Fakultäten sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zur Filmdiskussion des Dokumentarfilms „Caminantes“ ein.

Der Film erzählt die Geschichte einer kleinen mexikanischen Siedlung, die zu Beginn des Jahres 2001 von einer großen Nachricht in Atem gehalten wird:
 Die „nationale zapatistische Befreiungsarmee“ hat sich angekündigt. Die Zapatisten treten für eine Anerkennung der Rechte der indigenen Völker ein und haben sich zu Fuß auf den Weg in die Hauptstadt Ciudad de Mexico gemacht. Die wichtigen Persönlichkeiten der kleinen Siedlung planen ein großes Willkommensfest für die marschierenden Kämpfer. Die Kamera begleitet in „Caminantes“ ebenso die umtriebigen Festvorbereitungen wie auch den Anführer der Zapatisten, Subcomandante Marcos, der in einem Reiseinterview von den zurückliegenden 18 Jahren Geschichte der Bewegung erzählt.

Dazu laden wir Sie am Mittwoch den 4. Dezember 2013 ab 19.30 in den Hörsaal 117 des Romanischen Seminars ein. Nach einer kleinen Einführung in das Thema des Films möchten wir den Film gemeinsam im spanischen Original anschauen und anschließend im Plenum diskutieren.

Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen!




Samstag, 9. November 2013

Erfolgreicher Workshop zum Thema "Armut in den Medien in Deutschland und Argentinien"



Am 8. November 2013 durften wir von "Aires del Sur - Reflexionar sin Fronteras" als Gastreferenten bei einem Studientag in Obermarchtal auftreten.
Der Tag, der unter dem Motto "Vergiss die Armen nicht - Armut und Gerechtigkeit in Deutschland und Argentinien" stand, wurde dort vom Gymnasium des Studienkolleg Obermarchtals und dem Freundeskreis Tinkunakuy e.V. angeboten. Mit nicht weniger als 8 Workshops rund um das Leitthema Armut und Gerechtigkeit hier und dort lieferte der Studientag mehr als genug spannende Denkanstöße und Möglichkeiten über den sprichwörtlichen Tellerrand hinauszuschauen. 

Unser Workshop beschäftigte sich mit der Präsenz der Armut in den Medien in Deutschland und Argentinien. Anhand von Textanalysen, Gruppendiskussionen und individuellen Reflexionen erarbeiteten wir das Thema gemeinsam mit den Schülern.



Die Ergebnisse konnten sich mehr als sehen lassen und wir hoffen, den Schülern neue Herangehensweisen an Beiträge aus dem Bereich der Massenmedien an die Hand mitgegeben zu haben.

Nach unserer Rückkehr nach Heidelberg wartete bereits das nächste Event auf uns: Die Filmvorführung des Dokumentarfilms "Sin mapa" im Malecón in der Heidelberger Altstadt!

Montag, 14. Oktober 2013

Wintersemester 2013/14: offizielles Programm

Es ist soweit! Der Flyer mit dem Aires del Sur - Programm für dasWintersemesters ist da....

Wir freuen uns darauf, Euch bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen!


Les presentamos las Fechas oficiales del semestre de Invierno 2013/14


Mittwoch, 9. Oktober 2013

Neues von Aires del Sur!

Die ersten Termine des Wintersemesters stehen:

24.10.2013: Semestereröffnungsparty im Canoa

30.10.2013: Stadtführung für neue und alte Heidelberger

08.11.2013: Aires del Sur beim Studientag des Freundeskreises Tinkunakuy

13.11.2013: Documental Caminantes und anschließende Diskussion

Flyer und genauere Infos coming soon!

Merkt euch die Termine dick im Kalender vor!

Sonntag, 6. Oktober 2013

Back to School!

"Aires del Sur" geht zurück in die Schule!

Am 8. November bieten wir beim Studientag des Freundeskreises Tinkunakuy in Obermarchtal einen Workshop zu folgendem Thema an:

"Wer sieht was (nicht)? Wie spiegelt sich Armut in den Medien in Deutschland und Argentinien?"


Montag, 30. September 2013

Eudaimonia und Sumak Kawsay - vom Ziel des guten Lebens in der griechisch-antiken und andin-indigenen Tradition

Eudaimonia und Sumak Kawsay – vom Ziel des guten Lebens in der griechisch-antiken und andin-indigenen Tradition

In Europa neigen wir dazu, alle Errungenschaften der Moderne als Produkt der aufklärerischen Tradition zu verstehen. Dabei verstehen wir die Entwicklung von Zivilisation und funktionierender Wertesystemen als Teil des scheinbar genuin europäischen Projekts der Aufklärung.
Dieses, sich auf Europa als vermeintliches Zentrum der kultivierten Welt konzentrierende Weltbild nennt sich Eurozentrismus. Mit wachsendem Selbstbewusstsein der sogenannten Entwicklungsländer gerät dieses Weltbild zunehmend unter Druck.
Die große Dominanz europäischer Geisteswissenschaften beruht unter anderem auf die Schriften und ganz  besonders auf die Ethiken antiker Philosophen. Dabei vergessen wir, dass diese Schriften ohne die enorme wissenschaftliche Leistung der maurisch-muslimischen Übersetzer und Interpreten des maurischen Großreiches in Andalusien (bis zur Reconquista 1492) und Nordafrika heute überhaupt nicht mehr erhalten wären.
In diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass sich abseits von Europa und unabhängig von den europäischen und später angloamerikanischen Zivilisierungsversuchen ganz eigene Lösungsansätze, Traditionen und Wertesysteme gebildet haben. Besonders Krisenzeiten, in denen lange angesehene Orientierungspunkte durch neue wirtschaftliche und naturwissenschaftliche Herausforderungen wegzubrechen drohen, lohnt es sich, auch abseits der europäischen Tradition nach Auswegen und Lösungsansätzen zu suchen.
Viele Philosophen und kritische Ökonomen forderten im Zuge der multiplen Krisen und dem Wegfall derk klaren, bisher gültigen Dogmen wie „Mehr Wachstum und Konsum = mehr Lebensqualität“  eine Rückkehr zu den Lehren der Antike. Besonders der Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) warnte bereits die antike Gesellschaft Athens davor,  in den Strudel des ewigen Strebens nach Mehr zu geraten:
„Grund für die Gesinnung ist die emsige Bemühung um das Leben, doch nicht um das gute Leben, weil aber jenes Begehren ins Grenzenlose geht, so begehren sie auch unbegrenzte Möglichkeiten, dies zu bewerkstelligen.“ (Aristoteles, Politik: 1257 b - 1258 a1).
Als Alternative zu diesem Irrweg erklärt Aristoteles die Eudaimonia als oberstes Ziel. Eudaimonia bedeutet etwa „das gute, glückselige Leben“ und charakterisiert sich vor allem durch Tugendhaftigkeit und der Orientierung am „rechten Maß“. Grenzenloses Wachstum und grenzenlose Bereicherung ist dabei nicht vorgesehen, da eine Bemühung um diese Güter den Menschen nur vom tatsächlichen Ziel des menschlichen Lebens, dem guten Leben ablenken würde. Wer Reichtum zum obersten Ziel erkläre verwechselt laut Aristoteles das Mittel mit dem eigentlichen Zweck.
Dieses Konzept der Wirtschaft als „Dienstleister des guten Lebens“ verlor in Europa besonders im Zuge der Industrialisierung an Wirkmächtigkeit und feiert erst aufgrund der Krisen der letzten Jahre seine Renaissance. Ein ähnliches Weltbild der indigenen Andenvölker des heutigen Bolivien und Ecuador konnte sich währenddessen gegen die Ökonomisierung der Welt behaupten und wurde bereits kurz nach der Jahrtausendwende in die Verfassungen der beiden Länder erhoben. Die Rede ist von dem Streben nach „Sumak Kawsay“, was auf Quechua so viel bedeutet wie „gutes Leben“ und hier weiter erläutert werden soll.
Bereits lange vor der Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die Europäer und die Unterdrückung der indigenen Lebensformen durch aggressive Missionierung verfügten die Völker der andinen Regionen Südamerikas über eine gewachsene Ethik mit klaren Werten und Normen. Ähnlich wie beim aristotelischen „guten Leben“ handelt es sich bei „Sumak Kawsay“ keinesfalls um eine light-version des Lebens oder den Versuch, das dolce-vita-Gefühl als Ethik zu verkaufen. Stattdessen steht ein enges Verhältnis des Menschen zur Natur im Mittelpunkt. Die heilige Pachamama wird als eigenständiges Subjekt verstanden – inklusive eigener Rechte und Schutzanspruch. Auch wird Entwicklung keinesfalls als linearer Prozess von schlecht einem schlechten und zu überwindenden Zustand zu einem guten, lebenswerten, von unterentwickelt zu entwickelt, verstanden. Stattdessen gilt das ganze Leben als Entwicklung,  eine sich ständig selbst konstruierende und reproduzierende Kategorie.
Materieller Wohlstand tritt in diesem Verständnis in seiner Bedeutung hinter Werte wie Wissen und Erfahrung, soziale und kulturelle Anerkennung oder den Einklang einer Gesellschaft mit der Natur zurück.  Eine Konzentration auf das Streben nach einem guten Leben im Sinne des Sumak Kawsay hätte entsprechend eine vollkommene Umorientierung zur Folge. Zentrales Element ist die Bedeutung der Vereinbarung menschlichen Lebens mit der Natur als Lebensraum.
Bolivien und Ecuador haben weite Teile dieses indigenen Wertekodex in ihre modernen Verfassungen aufgenommen. Sogar die Nennung der Natur als schützenswertes Subjekt fand Eingang in die Gesetzestexte. Ein Versuch der Umsetzung dieser, oftmals als Utopie belächelten Zielsetzungen stellt beispielsweise die vieldiskutierte Yasuní-Initiative Ecuadors dar. Kernidee des Projekts war es, verfügbare Ölressourcen in ökologisch und anthropologisch sensiblen Regionen des Yasuní-Nationalparks bewusst nicht zu fördern. Weltweit warb das Andenland – auch dank einer Ablehnungspolitik Deutschlands leider weitestgehend erfolglos -  um Unterstützung für die Schutzmaßnahme des Ökosystems.

Trotz des Scheiterns dieser Initiative zeigt sich, dass neue Lösungen nicht immer aus Europa oder Nordamerika kommen müssen und sich ein Blick auf die Traditionen anderer Kulturräume, wie z.B. Lateinamerika für jeden lohnt, der auf der Suche nach anderen Ansätzen und Denkmustern ist.

Montag, 24. Juni 2013

Wenn Bulldozer auf Tradition treffen – Zur geplanten Umsiedlung der Tonokoté- Indigenen in Santiago del Estero

Wie wenig Rücksicht angesichts großer Bauvorhaben auf geschichtlich sensible Orte genommen wird ist, seit dem teilweisen Abriss der Berliner East Side Gallery zugunsten eines Neubaus, auch in Deutschland hinreichend bekannt. Während diese Themen hierzulande jedoch in der Regel große mediale Aufmerksamkeit bekommen, finden Umsiedlungen, Abrisse und Vertreibung in vielen Teilen Lateinamerikas unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nicht selten liegt die Verantwortung über die Berichterstattung bei mächtigen Medienmogulen, die, direkt oder indirekt, von den Bauprojekten und Landverkäufen profitieren (siehe Artikel zum Mediengesetz in Argentinien).
So lässt sich auch erklären, dass die Öffentlichkeit Santiago del Esteros erst durch einen verzweifelten Hilferuf in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter von den Vorgängen erfuhr, die sich direkt neben einem der beliebtesten Ausflugziele der Stadt, dem Patio Froílan, zugetragen hatten.
Dort, in einer Örtlichkeit namens „Boca del Tigre“ (Mund des Tigers), lebten bis Ende Mai 2013 dreiundzwanzig Familien der Auqajkuna-Gemeinde, die zum indigenen Volk der Tonokoté gehören. Die Tonokoté sind ein Volk, das seine Wurzeln hauptsächlich in den Provinzen Tucumán und Santiago del Estero hat und dort bis heute versucht, seine Traditionen aufrecht zu erhalten.

Privates Viertel soll Platz der Tonokoté einnehmen

Im Rahmen eines Immobilienprojekts sollten die 20 Landbesitz Hektar der Tonokoté nun bebaut werden: geplant war dort ein „Barrio privado“, also ein privates Viertel.
Dieser Plan stieß jedoch auf den Widerstand der Tonokoté, die sich weigerten ihr Territorium gegen neue Häuser an anderer Stelle einzutauschen. Um die Pläne der Regierung, die das Gelände schon an einen Investor verkauft hatte, zu retten, entschied sich der Richter Guillermo Tarchini Avedra für ein Vorgehen mit der Brechstange:
Um 5 Uhr morgens wurden die 23 Familien der Gemeinde von einem Großaufgebot der Polizei der Provinz Santiago del Estero (einer Provinz, die mit ihrer kulturellen Vielfalt und ihrer indigenen Identität wirbt) geweckt und ohne weitere Erklärung mithilfe von Hunden, berittenen Einheiten und Gummigeschossen aus ihren Häusern gezerrt. Im Anschluss an diese Aktion, die zu mehreren Verletzten, darunter Kinder und eine Schwangere, führte, machten sich die Einsatzkräfte daran, die Häuser und Gärten der Gemeinde mithilfe mehrerer Bulldozer dem Erdboden gleichzumachen. Die zwei Anführer und Sprecher der Gemeinde wurden wegen Widerstand gegen die Zerstörung ihrer Häuser von den Polizisten festgenommen.
  
Tageszeitungen ignorieren Vorgänge

Um die Öffentlichkeit auf die brutale Aktion aufmerksam zu machen, wurden die schockierten Familienmitglieder der Festgenommenen bei den zwei wichtigsten Tageszeitungen der Provinz Santiago del Estero „El Liberal“ und „El nuevo Diario“ vorstellig und übergaben den Journalisten Fotomaterial, Videos und Zeugenaussagen zu den Geschehnissen. Beide Zeitungshäuser weigerten sich jedoch, der Bitte um Veröffentlichung nachzukommen.[1]
Erst die Veröffentlichung von Videos der Polizeiaktion auf Facebook und Twitter führte zu einer Reaktion in der Öffentlichkeit. Zahlreiche Onlinezeitungen und Bloggs berichteten über die polizeiliche Repression und die Enteignung der Familien und erreichten so eine große Aufmerksamkeit in der Zivilgesellschaft Santiagos. 
Unter dem daraufhin entstandenen öffentlichen Druck knickte die Provinzregierung von Gouverneur Gerardo Zamora schließlich ein. Hatten die offiziellen Stellen bisher jegliche Stellungnahme verweigert,  versprach man nun den Wiederaufbau der Häuser und die Überreichung amtlicher Besitzurkunden an die Familien der Auqajkuna-Gemeinde. Auch die heiligen Stätten der Tonokoté sollen darin respektiert werden.
Fraglich bleibt jedoch, wie diese Geschichte ohne die  beherzte Selbsthilfe der Indigenen ausgegangen wäre. Denn wenn die Herstellung von Öffentlichkeit schon für gut vernetzten Bewohner der Provinzhauptstadt derartige Schwierigkeiten bereitet, fällt es nicht schwer, sich die Hilflosigkeit der isolierten Landbevölkerung vorzustellen. Erschwerend kommt dort nämlich noch hinzu, dass die Enteigneten sich meist multinationalen Agrarkonzernen mit starker Rechts- und Lobbyabteilungen gegenübersehen.







[1] Siehe: http://tiempo.infonews.com/2013/05/25/sociedad-102518-otro-desalojo-a-una-comunidad-indigena-en-santiago-del-estero.php